Christophorus- auf einmal evangelisch?

Christophorus
Bildrechte Karin Müller

In der evangelisch-lutherischen Gemeinde „Deutschhaus Erlöser“ konnte ich bei einer Fortbildung eine ungewöhnliche Geschichte entdecken. Der Heilige Christophorus, steht direkt neben der Tür in einer evang. Kirche. Heilige in der evang. Kirche? Das gibt es doch eigentlich gar nicht, höchstens, wenn die Kirche vorher mal katholisch war und die Gemeinde entschieden hat, dass die Heiligen „Bleiberecht“ haben.

Das ist bei dieser Kirche aber nicht so gewesen. Die evangelisch-lutherische Gemeinde hat sich bewusst, für genau diesen Heiligen entschieden.

Sie erlebten gerade eine schwere Zeit: Die NS-Zeit in Deutschland.

Sie waren unsicher, wie der christliche Glaube in einer Welt voller Gewalt und Angst weiter lebendig bleiben kann. Die Message, die sie brauchten, war klar: an Jesus festhalten, ihm folgen, auch wenn es schwer fällt, auch wenn der Weg lang und manchmal mühsam ist. So entschlossen sie sich, Christophorus als Zeichen in die Kirche zu stellen.

Warum Christophorus? Der Legende nach trägt Christophorus die Menschen durch gefährliche Stellen eines Flusses und hilft ihnen sicher ans andere Ufer. Einmal, so die Legende, hat er auch Jesus selbst hindurch getragen. Die Gemeinde sah darin eine Parabel: Wenn wir zusammenhalten, einander helfen und Gottes Wort beachten, schaffen wir auch schwere Zeiten. Der Heilige Christophorus erinnert uns daran, dass Mut und Vertrauen uns durch dunkle Stunden tragen können – immer mit Jesus an unserer Seite.

Die Figur steht heute direkt neben der Kirchentür als stilles Symbol. Auf dem Sockel die Inschrift: „Trag auch Du IHN durch die Flut.“ Die Menschen beten nicht zu Christophorus, wie es in einer katholischen Gemeinde üblich wäre.

Aber man sieht ihn, wenn man aus der Kirche geht. Und wenn er sprechen könnte, würde er den Menschen heute vielleicht folgendes mit auf den Weg geben: „Bleibt beharrlich im Glauben, trotz Ängsten und Fragen. Bleibt zueinander loyal, helft einander und vertraut darauf, dass Jesus uns auf dem Weg begleitet.“

 Ein wertvoller Reminder, auch heute noch!

 

Karin Müller (Dipl. Rel.Päd.)